Direkt zum Inhalt

Jingle und Aufruf des frankfurter Protestplenums

Frankfurter Studierende der Goethe Uni haben einen Aufruf und Jingle zum #Bildungsstreik14, genauer zur Demo in Wiesbaden am 25.6. erstellt. Schaut und lest selbst!

Hier findet ihr den Jingle und hier könnt ihr den Aufruf lesen:

"Frankfurt, Deutschland, 2009:

In ganz Deutschland sind Studierende auf den Straßen, besetzen Hörsääle und protestieren für eine freie, breite Bildung und die Abschaffung der Studiengebühren. Wissenschaften, die auch ihre gesellschaftliche Verantwortung erfüllen und dabei nicht nur ins eigene Portemonnaie schauen, sind ihr Ziel. Drittmittel sind dabei nach wie vor ein Stichwort.

Frankfurt, Deutschland, 2014:

Was ist seitdem passiert? Wie steht es jetzt um unsere Bildung und insbesondere die Hochschullandschaft? Mit Niedersachsen knickt in diesem Wintersemester auch das letzte Bundesland ein und schafft die Regelzeit-Studiengebühren wieder ab. Doch jenseits dessen? Langzeitstudiengebühren sind nach wie vor keine Ausnahme, sondern die Regel und die jüngste Erhöhung der Semesterbeiträge hat dazu geführt, dass die Universität Frankfurt mit Verwaltungskosten und Studenten[sic!]werksbeiträgen auch so denominösen 500€ immer näher kommt und damit einen der Spitzenplätze unter deutschen Hochschulen belegt. Die Mensa ist mittlerweile teurer als die eh schon überteuerte Pommesbude um die Ecke. Hierzu ist wiederum zu sagen, dass man tagtäglich ohnehin die meiste Zeit auf dem Campusgelände verbringt und somit jeder Schritt, der uns vom Campus entfernt, ein Schritt zu viel ist. Hat sich also etwas grundlegend geändert? Kaum! Bewegt sich etwas? Die Antwort ist dieselbe. Doch der Startschuss für die nächsten Bildungsproteste ist gefallen. Es gibt eine Vielzahl von Missständen zu kritisieren!

"und sie leben vor sich hin“ – und am Ende des Monats?

Die finanzielle Belastung für Studierende ist immens. Frankfurts hohe Mieten – sofern man denn überhaupt das Glück hat, in Frankfurt selbst Wohnraum gefunden zu haben – sind unbezahlbar. Mit einer durchschnittlichen Kaltmiete von 12,55€/m² kann wohl kaum von finanzierbarem Wohnraum für Studierende gesprochen werden (Zum Vergleich: Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 6,79€). Frankfurt ist damit generell eine der teuersten Städte Deutschlands.

Ähnlich sieht es bei unserer Mensa aus: die kürzlichen Preiserhöhungen um bis zu 50% haben beispielsweise den Kaffee-Preis auf bis zu 1,30€ steigen lassen – die Erhöhung der Studenten[sic!]werksbeiträge zum Sommersemester von 10€ sind dabei noch gar nicht berücksichtigt!
Steigende Mietpreise und Lebenshaltungskosten sind dabei eingebettet in die bundesdeutsche Entwicklung und kein frankfurter Einzelphänomen. Leerstehender Wohnraum, sowie potentieller Wohnraum auf Freiflächen bleibt jedoch weiterhin ungenutzt – Aneignung wird repressiv bekämpft. Das ist kein Zustand der hinnehmbar wäre!

Stellen wir uns vor, es ginge so weiter, wo soll das hinführen? Zunehmende Verdrängung von Studierenden aus dem Stadtgebiet, Studieren wird noch teurer und für weniger Menschen erschwinglich – eine nicht hinnehmbare Entwicklung!

Die jüngst angekündigte BAföG-Reform ist dabei keineswegs die viel beschworene Lösung aller Probleme als die sie angepriesen wird. Eine bloße Erhöhung der Unterstützung greift zu kurz und geht an den Bedürfnissen und Forderungen der Studierenden vorbei. Wenn die Finanzierung des BAföG zudem von den Ländern auf den Bund übertragen wird, ist nicht zu befürchten, dass damit auch wesentlich mehr Geld zur Verfügung steht. Oder wer hat schon mal davon gehört, dass die Bundesregierung Geld „verschenken“ würde. Ohne unsere Anstrengung wird sich also wohl nichts ändern! Wir fordern ein bedingungsloses und elternunabhängiges BAföG!

„Studenten brauchen mehr Studiengebühren“? – Weg mit der Verwaltungsgebühr!

Sind die Studiengebühren für Regelzeitstudierende zwar ab dem kommenden Wintersemester bundesweit endlich wieder abgeschafft, gibt es weiterhin Studiengebühren für Langzeitstudierende, die dadurch zusätzlich belastet werden. Der Grund für die Regelzeitübertretung liegt jedoch meist nicht in „Trödelei“ oder so genannten Party-Studis, sondern vielmehr bei der Doppelbelastung durch Studium und zusätzlich notwendiger Lohnarbeit, die zur Bestreitung des Lebensunterhalts unverzichtbar ist. Dies betrifft jedoch nicht nur Langzeitstudierende: allzu oft sehen sich Studierende in spe vor die Überlegung gestellt, ob sie sich überhaupt ein Studium leisten können.

Wir fordern weiterhin die Abschaffung aller Studiengebühren!

Doch die Kritik darf an diesem Punkt nicht aufhören. Auch 50€ Verwaltungskosten pro Semester sind zuviel. Diese Kosten sind mit dem Ideal einer gesellschaftlich eingebundenen und damit für alle zugänglichen Hochschule nicht zu vereinbaren und gehören abgeschafft. Hochschulen dürfen kein von der Gesellschaft abgetrennter Raum der Ausbildung sein und sollten generell keine bloßen Ausbildungsstätten, sondern Forschungsinstitutionen sein, die der Gesamtgesellschaft dienen.
Primäres Ziel von Hochschulen sollte die gesellschaftliche (Weiter-)Entwicklung sein – nicht die beste Vorbereitung auf den Arbeitsplatz.

Statt also diese Kosten auf uns Studierende abzuwälzen und damit eine zusätzliche finanzielle Hürde aufrecht zu erhalten, sollten sie von der öffentlichen Hand getragen werden. Wenn es um die Gesellschaft geht, sollte auch die gesamte Gesellschaft die Möglichkeit zur Teilhabe haben. Verwaltungsgebühren und Studenten[sic!]werksbeiträge sind dabei Beträge, die von der Öffentlichkeit getragen werden sollten, um die finanziellen Hürden des Studierens abzubauen.

Unterfinanzierung? Ich bin doch exzellent – „für eine Bande pseudo-[E]litärer“!

Die jüngsten Entwicklungen kennen – was schon 2009 in der Kritik stand – nur ein Ziel: die unternehmerische Hochschule. Wir müssen uns bewusst werden, dass Studieren eben kein Selbstzweck ist und nicht nur Vorbereitung für den Job. Dabei ist eine solche, durchaus weit verbreitete, Sicht aufs Studium angesichts der gegenwärtigen Struktur kein Wunder. Das derzeitige Verständnis von Universität und Bildung führt dazu, dass sämtliche Aspekte des Lehrens, Forschens und Studierens dem Ziel der bestmöglichen Chancen auf dem (Arbeits-)Markt dienen. Jegliche Kritik daran, am gesamtgesellschaftlichen Zustand und den Entwicklungen findet logischerweise keine Beachtung. Die prägenden Muster der Hochschule, die nur auf den ökonomischen Nutzen zielt, sind Konkurrenz und Wettbewerb. Statt also gesellschaftliche Entwicklung zu fördern, steht der Wettbewerb im Mittelpunkt. Aktuell fokussieren Hochschulen eher die gegenwärtige gesellschaftliche Stimmung und bauen sie weiter aus. Damit folgt das universitäre Angebot eben auch nicht immer unseren studentischen Interessen – ein Zustand, den es nach wie vor aufzulösen gilt!

Statt also den Status Quo zu reproduzieren, braucht es eine demokratische, ausfinanzierte Hochschule! Statt einiger weniger Exzellenzcluster, braucht es ein breites Angebot für die breite Masse der Gesellschaft. Studium für alle statt nur für wenige!

Das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern muss aufgehoben werden. Der Bildungs-Föderalismus, der einst die Unabhängigkeit der Länder in Bildungsfragen garantieren sollte und somit einem vereinheitlichten Staat entgegenwirken sollte, hat sich zu einem Föderalismus der Konkurrenz entwickelt. Statt unabhängig zu agieren, buhlen die einzelnen Länder um die Spitze der Bildungselite – und tragen diesen Konkurrenzkampf auf dem Rücken der Studierenden aus. Leere Bildungstöpfe, chronische Unterfinanzierung und spürbare Kürzungen prägen unsere Bildungslandschaft – mit Folgen, die wir tagtäglich aufs Neue erfahren müssen. Lange Wartezeiten bei Sprechstunden, eingeschränkte Prüfungsmöglichkeiten und Massenprüfungen sind die Folge. Doch was nützt es, eine Klausur zu schreiben, die Wissen nur abfragt, wenn das Ziel eine inhaltliche Auseinandersetzung sein sollte?

Immer neue Forderungen nach weiteren Bildungsgebühren und künstlichen Selektionsmechanismen sind weitere Folgen, gegen die es anzugehen gilt. Die Abhängigkeit von Drittmitteln und die Schuldenbremsen der Länder tragen zusätzlich zu einer Verschärfung der Situation bei. Wir brauchen durch öffentliche Mittel ausfinanzierte Hochschulen, Fachbereiche, Fakultäten und Institute die ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen können und in denen gelehrt wird, Kritik zu üben, anstatt den vorherrschenden Paradigmen zu folgen.

„und hören immer zu, obwohl sie gar nichts versteh‘n“ Und was sagt dein Präsident?

Dass es ein Finanzierungsproblem an den Hochschulen gibt, verschweigt niemand. Die Lösungsansätze sind jedoch unterschiedlich. So bemerkte Universitäts-Direktor Prof. Dr. Werner Müller-Esterl auf der jüngsten Hochschulrektor_innen-Konferenz, dass ein Problem der Finanzierung das Verbot von Studiengebühren sei. Dies war zwar keine Forderung, doch nach der Überwindung der Regelstudienzeit-Studiengebühren erscheint diese Bemerkung doch mindestens zynisch und es zeigt, wohin der Weg gehen könnte. Statt einer stärkeren Ausfinanzierung durch öffentliche Mittel weist die Tendenz in Richtung immer stärkerer Abhängigkeit von Drittmitteln. Damit auch hin zu stärkerem Einfluss durch privatwirtschaftliche Unternehmen und Akteure. Bildungsgebühren könnten so langfristig wieder stärker in den Fokus geraten. Statt abzuwarten, bis dies der Fall ist, müssen wir die bereits bestehenden Tendenzen schon jetzt kritisieren, angehen und bestehende Hürden abbauen.

Beschäftigungsverhältnisse

Die Beschäftigungsverhältnisse an deutschen Hochschulen sind ein Graus! Hat man das Glück, eine begehrte Professor_innen-Stelle erlangt zu haben, mag vielleicht auf den ersten Blick alles gut scheinen. Doch schauen wir genauer hin, zeigt sich ein eklatanter Missstand: Drittmittelsorgen bestimmen fortan das Lehren und Forschen. Noch schlimmer trifft es den Mittelbau: Befristete und sogar unbezahlte (!) Lehraufträge sind an der Tagesordnung. Was bleibt, ist die ständige Angst und Sorge um Weiterbeschäftigung und das jedes Semester aufs Neue. Dass sich dies nicht schon schlimmer auf die Lehrverhältnisse ausgewirkt hat, ist ein Wunder. Nicht besser ergeht es den Angestellten in Verwaltung und dem Studenten[sic!]werk. Mangelnde Mittel sorgen für schmale Löhne und unverhältnismäßigen Arbeitsaufwand.

Studierende sind keine Elite in spe, die sich von der Gesellschaft abgrenzen darf. Wir müssen bei unserer Forderung nach anderer Bildung und einem anderen Bildungssystem die Lebens- und Arbeitswirklichkeit aller berücksichtigen und uns mit der Hochschule als Arbeitgeber auseinandersetzen. Nur gemeinsam mit allen Mitgliedern der Hochschulen können wir ans Ziel kommen!

Was tun?

Die Probleme sind nicht weniger, sondern mehr. Dass die gegenwärtigen Probleme den eigenen Geldbeutel nur häppchenweise (Mensa) oder sekundär (Unterfinanzierung) treffen ist kein Grund die Hände in den Schoß zu legen. Gemeinsam können wir etwas erreichen indem wir Druck aufbauen.

Also ab auf die Straße – am 25.6. in Wiesbaden demonstrieren!

Gegen Unterfinanzierung, Kooperationsverbot und prekäre Beschäftigungsverhältnisse – für öffentliche Finanzierung, breite Lehre und gesellschaftliche Einbettung der Hochschulen!

Für Demokratisierung aller Bildungsinstitutionen und Bildung ohne Selektion und Ausgrenzung – gegen elitären Dünkel!

Protestplenum im Juni 2014

*Alle Zitate geklaut bei AntilopenGang – Fick die Uni*"

 
18.06.2014 - 16:42